🗽, liebe Cruncher!
News von der Zoll-Front: Donald Trump hat neue Zölle für EU-Staaten verkündet – 10 % bis 12,5 %, je nach Land.
Spannend ist vor allem die Begründung: Andere Länder würden nicht hart genug gegen Zwangsarbeit in ihren Lieferketten vorgehen.
Wir sagen: Vorbildlich, dass Trump gegen Zwangsarbeit vorgeht. Fragen uns aber, ob eine Abschaffung der Ein-Dollar-Jobs in ICE-Abschiebegefängnissen es nicht auch getan hätte 🤷♂️
Unser Programm für heute:
1️⃣ Deep Dive der Woche: Die Aktien der Speicherchiphersteller haben dieses Jahr so gut performt wie die keiner anderen Branche, dann stürzten sie ab – ist das die Chance, nachzulegen?
2️⃣ Wochenausblick: Der Fed-Zinsentscheid am Mittwoch gibt den Takt vor – und Meta, Microsoft, Amazon sowie Apple liefern nächste Woche die wichtigsten Earningszahlen der Saison.
3️⃣ Sunday Itinerary: Die crunch-Empfehlungen der Woche – von der Analyse des größten europäischen Tech-IPOs 2026 bis zum ersten öffentlichen Interview mit Ex-Uber-CEO Travis Kalanick über die Firma, an der er acht Jahre im Verborgenen gebaut hat.
Let’s go!
DAX TOP & FLOP (WOCHE)
☝️ THEMA DER WOCHE
Speicherchipaktien sind so billig wie lange nicht: Das könnte eine Chance sein

Das Micron-Werk in Boise: Hier entstehen Speicherchips für den weltweiten KI-Boom (Foto: IMAGO / ZUMA Presswire)
Tough times für alle, die Anfang diesen Jahres bei Micron, Samsung und SK Hynix einstiegen und sich danach auf r/wallstreetbets als die neuen Warren Buffetts feiern ließen. In den vergangenen Wochen gab’s den Realitätscheck:
Die SK-Hynix-Aktie verlor seit ihrem Höchststand im Juni zeitweise 30 %,
Samsung ca. 25 %,
Micron 20 %.
Es war das jähe Ende einer Rallye, in der das Oligopol der Hersteller von HBM-Speichern (aka High Bandwidth Memory) seit Jahresbeginn zwischen 150 % und 300 % zugelegt hatte.
Und der Grund für eine Frage, die sich wohl jeder Investor stellt: War das nur ein kurzer Rückschlag, oder ist es der Beginn eines längeren Abstiegs? Jetzt nachlegen oder die Finger davonlassen?
Die eindeutige Antwort: Kenne ich auch nicht.
Aber: Vieles spricht dafür, dass sich die Kurse zunächst erholen könnten, langfristig aber wieder fallen. Eins nach dem anderen.
Was spricht für Buy the Dip?
Let’s start with the obvious.
Die Welt braucht gerade absurd viele Speicherchips.
Dafür musst Du nicht Microns Quartalsbericht lesen. Ein Besuch im Apple Store reicht. Das „günstige“ Einsteiger-MacBook Neo kostet mittlerweile €799, vor einigen Monaten waren es noch €699. Auf manche Geräte müssen Kunden sogar warten.
Und warum?
Weil einst günstige DRAM-Speicher zu einem raren Gut geworden sind, seit KI-Hyperscaler den Speichermarkt leersaugen.
Die letzte Bestätigung dafür gab es am Mittwoch. Da verkündete Alphabet-Finanzchefin Anat Ashkenazi, dass der Google-Mutterkonzern die Investitionen 2026 von bisher max. $190 Mrd. auf $205 Mrd. hochschrauben wird. Allein im Q2 flossen schon $44,9 Mrd. in den KI-Ausbau (aka Rechenzentren) – zum Vergleich: Das entspricht ungefähr dem doppelten Budget der NASA.
Und: Für jedes neue Rechenzentrum brauchen die Unternehmen weitere HBM-Chips, also jenen besonders schnellen Speicher, ohne den eine moderne KI-GPU zwar rechnen könnte, aber ständig auf Daten warten müsste.
Produziert werden diese HBMs zu 99 % von: Micron, Samsung und SK Hynix.
Und da in die HBM-Chips ähnliche Komponenten eingehen wie in die DRAM-Chips in den Apple-Laptops, werden auch die teurer.
Und wer produziert die DRAM-Chips zu 90 %? Du hast es geahnt: Auch Micron, Samsung und SK Hynix.
Die Hersteller verdienen also gleich doppelt: An HBM- und DRAM-Chips.
Ein schnelles Ende dieses Nachfragebooms ist nicht in Sicht.
Der Markt ist nämlich so leergefegt, dass die Hersteller teilweise Lieferverträge bis 2028 geschlossen haben. Allein Microns wichtigste Kunden haben sich über langfristige Verträge Chips im Wert von $22 Mrd. gesichert. Insgesamt soll der Konzern auf Kundenaufträgen im Wert von $100 Mrd. sitzen.
Und: Neue Waren oder gar Konkurrenten, die Preise verderben könnten, wird es so schnell auch keine geben – neue Fabriken sprießen nicht mal eben aus dem Boden. SK Hynix etwa kündigte 2019 ein Werk im südkoreanischen Yongin an, die Produktion dort soll aber erst Ende 2027 beginnen. Heißt: Trotz Turbo-Entwicklung dauert es acht Jahre, eine Chipfabrik zu bauen!

Viel Fläche, viel Vorlauf: Die Baustelle des neuen SK-Hynix-Werks in Yongin (Foto: IMAGO / Newscom / Yonhap News)
Soweit, so Buy the Dip.
Dazu kommt: Auch die Aktien der Speicherchiphersteller sind weitaus günstiger bewertet, als ihre Kursrallye vermuten lässt. Samsung, Micron und SK Hynix werden derzeit nur mit dem Fünf- bis Achtfachen ihrer erwarteten Jahresgewinne gehandelt. Zum Vergleich: Beim S&P 500 liegt das Forward-KGV im Schnitt bei rund 20.
Heißt: Obwohl sich die Aktien teilweise vervielfacht haben, stiegen die Gewinnschätzungen noch schneller.
Schnell wachsende KI-Profite zum KGV eines stagnierenden Industriekonzerns?
Klingt ebenfalls nach Buy the Dip.
Sollst du also sofort kaufen? ➡️ Jein!
Denn: Speicherchips gehören zu den zyklischsten Produkten der Welt.
Bei Knappheit steigen Preise und Gewinne. Die Hersteller bauen also neue Fabriken, um noch mehr zu verdienen. Doch wenn Jahre später alle gleichzeitig in Betrieb gehen, könnte es plötzlich zu viele Chips geben.
Tatsächlich: Stehen wir vielleicht am Anfang eines solchen Zyklus. Denn Samsung, SK Hynix und Micron planen Investitionen von hunderten Milliarden Dollar. Südkorea will seine DRAM-Produktion innerhalb von fünf Jahren sogar verdoppeln.
Und all diese Fabriken beruhen auf derselben Wette: Dass die Hyperscaler auch 2028 und 2029 immer mehr KI-Infrastruktur bestellen werden.
Was aber, wenn KI-Modelle effizienter werden? Wenn chinesische Modelle mit weniger Rechenleistung auskommen? Oder wenn Alphabet und Co. feststellen, dass sich ihre Investitionen nicht schnell genug auszahlen? Oder sie zu teuer werden?
Dann: Liegen bei genau diesen Unternehmen teure Fabriken in den Büchern, die sie gar nicht mehr brauchen.
Damit es so weit kommt, müssen die Hyperscaler ihre bestehenden, auf Jahre angelegten Abnahmeverpflichtungen nicht einmal brechen. Es braucht auch keine Fabriken mit stillstehenden Bändern. Es reicht, wenn die Hyperscaler in der Zukunft ihre Ausgaben langsamer erhöhen, als Anleger und die Speicherchipunternehmen es erwartet haben. Und auf genau solche Signale schaut gerade die gesamte Anlegerwelt.
Dazu kommt: Auch wenn der Markt derzeit ein ziemlich stabiles Oligopol ist, muss das nicht so bleiben.
Ja, neue Fabriken bauern dauert Jahre. Doch Chinas Speicherchip-Hersteller CXMT holt am DRAM-Markt bereits mächtig auf und könnte bis 2028 ungefähr Microns heutige Produktionsgröße erreichen. Die chinesische Regierung pusht das Unternehmen dazu auch völlig unabhängig davon, ob sich die Produktion derzeit lohnt oder nicht.
Heißt: Wenn in ein paar Jahren die ganzen Werke fertig sind, könnte das Angebot plötzlich größer als die Nachfrage sein ➡️ die Preise für Speicherchips wieder fallen ➡️ und mit ihnen die Gewinne Deiner Börsenlieblinge.
👉 Why should I care?
Weil Du wahrscheinlich neidisch bist auf Deinen Nachbarn, der dieses Jahr €20.000 mit Speicherchipaktien verdient hat, obwohl er nichts von Wirtschaft versteht. Und Du vielleicht auch auf ein neues Aufflammen des HBM-Booms hoffst.
Aber: Denk daran, dass die Phase, in der Anleger fast jede Speicherchipaktie kaufen konnten und automatisch gewannen, vorbei sein dürfte.
Speicher bleiben zwar knapp. Neue Fabriken brauchen Jahre. Und die Hyperscaler investieren weiter.
Aber wer jetzt nachkauft, wettet auch darauf:
dass die Nachfrage schneller steigt als Samsung, Micron und SK Hynix neue Fabriken bauen können
dass neue Player die Margen nicht strapazieren, und
dass er oder sie schnell den Absprung schafft, wenn die Kurse plötzlich einbrechen.
Also: Buy the Dip, wenn du willst. Aber verwechsle es nicht mit Buy and Forget.

Roland Lindenblatt ([email protected]) empfiehlt allen, die 368 Seiten brauchen, um zu verstehen, warum sie das perfekte Timing eh nicht hinbekommen, “Marktzyklen meistern” von Howard Marks – brunchcrunch lesen reicht aber auch.
👀 WEEK AHEAD
Macro
Top of our list: Der Fed-Zinsentscheid am Mittwoch. Diese Woche zeigt sich, ob die jüngsten Inflationsdaten genug Spielraum für eine Senkung im September lassen oder ob der Markt seine Erwartungen erneut korrigieren muss.
Mo, 27.07. | 🇩🇪 ifo-Geschäftsklimaindex
Di, 28.07. | 🧘♀️
Mi, 29.07. | 🇺🇸 Fed-Zinsentscheid
Do, 30.07. | 🇩🇪🇪🇺 Bruttoinlandsprodukt, 🇩🇪 Verbraucherpreise, 🇬🇧 BoE-Zinsentscheid, 🇺🇸 Bruttoinlandsprodukt
Fr, 31.07. | 🇪🇺 Inflationsdaten, 🇩🇪 Arbeitslosenzahlen
Micro
Top of our list: Meta, Microsoft, Amazon und Apple berichten alle innerhalb von 48 Stunden. Zusammen stehen sie stellvertretend für den Zustand von KI, Cloud, Werbung und Konsum.
Mo, 27.07. | HOCHTIEF, AstraZeneca, LVMH, Michelin
Di, 28.07. | Mercedes-Benz Group, Coca-Cola, Visa, PayPal, Boeing, UPS, Ford, Barclays, Unilever
Mi, 29.07. | BASF, Porsche, Microsoft, Meta Platforms, Procter & Gamble, Airbus, L'Oréal, Hermès, UBS, Robinhood
Do, 30.07. | adidas, PUMA, Amazon, Apple, MasterCard, Ferrari, Shell, Sanofi, Stellantis, Samsung, Coinbase
Fr, 31.07. | Covestro, HENSOLDT, Siemens Healthineers, Chevron, AbbVie, Linde, Sony, Moderna
ANZEIGE
👨💻 SUNDAY ITINERARY
📝 Wie wurde aus alten Internet-Marken der größte europäische Tech-IPO seit Jahren? Bending Spoons aus Mailand ist Ende Juni mit $23 Mrd. Bewertung an die Nasdaq gegangen – nach einer Serie an Übernahmen von einst großen Software-Namen wie AOL, Komoot, Evernote, WeTransfer, Eventbrite und Vimeo. OMR hat das Modell analysiert: Firma kaufen, komplettes Team feuern, per KI die operativen Schwachstellen killen. Renditeziel: 25 % ohne Kredite, 65 % mit. Spannender Read für alle, die Private Equity in der Software-Welt neu verstehen wollen 🤝
👀 Was hat der Uber-Gründer acht Jahre lang heimlich gebaut? Travis Kalanick ist nach seinem Rauswurf bei Uber aus dem Rampenlicht verschwunden – und arbeitet seither an "Atoms": einer Firma, die Software, Fertigung, Immobilien und Transport zusammenführt, um die physische Welt zu digitalisieren. Im neuen a16z-Interview erzählt Kalanick, warum die nächste große Chance jenseits von Software liegt, warum der Uber-Skandal von 2017 mit Andreessen im Board nie passiert wäre – und was er in acht Jahren Stealth über Founder-geführte Unternehmen gelernt hat. Für alle, die verstehen wollen, wo nächste Industrielle Revolution gerade wirklich startet.
🎲 Wie wurde aus Wetten der neue Volkssport? Auf Plattformen wie Polymarket und Kalshi wetten Menschen mittlerweile auf alles: Wahlausgänge, Sportergebnisse, WM-Sieger – bis hin zu Alien-Invasionen. Die neue Netflix-Doku "Das große Wettfieber" (ab heute verfügbar) zeichnet den globalen Aufstieg dieser Prediction Markets nach, porträtiert die Menschen dahinter und zeigt, warum sie gerade Medien, Politik-Berichterstattung und Sportwetten-Industrie gleichzeitig umkrempeln. Ein guter Reality-Check, bevor Kalshi (und eventuell auch Polymarket) 2027 an die Börse gehen 🤝
MORE BRIEFINGS
🌝 cryptocrunch: Daily Updates zu den wichtigsten Coins – für alle Krypto-Anleger.
🤝 dealscrunch: Tägliche Insights aus der Welt der Dealmaker – PE, M&A und VC.
💡 aicrunch: Jeden Montag berichten wir zur größten Umwälzung der Wirtschaft seit dem Internet.
materialscrunch: Was bewegt Mining-Aktien und Rohstoffpreise? Die Antwort gibt's von uns jeden Dienstag.
🛡️ defencecrunch: Die Welt rüstet auf – jeden Mittwoch analysieren wir, welche Aktie davon besonders profitiert.
🏢 immocrunch: Der Deep Dive zur liebsten Anlageklasse der Deutschen, jeden Freitag.